Dr. med. vet. Friederike Unkel-Mohrmann

Kleintierpraxis Itzehoe

Zwergkaninchensteckbrief



Ein kurzer Zwergkaninchensteckbrief

Allgemeines

• nicht so problemlos wie oft angenommen: Schreckhaftigkeit, Beißen, Kratzen

• Rammler markieren mit Urin

• Häsinnen sind oft aggressiv (Hitze, Scheinträchtigkeit)

• Futter-  und fingerzahm, nur selten handzahm

Anfälligkeit für

• Verdauungsstörungen

• Infektionen der oberen Luftwege

• Zahnanomalien

• Abszesse im Kopfbereich

• Geschwüre an den Hinterläufen

• Fettleibigkeit

Fütterung

• Frisches Wasser und Heu zur beliebigen Aufnahme

• Nagematerial (Weide, Buche, Haselnuss, Apfel- und Birnbaum)

• Grünfutter im Sommer

• Obst und Gemüse im Winter (keine Kohlgewächse)

• Mischfutter für Kaninchen

• Knäckebrot (keine Brotreste, kein Gebäck - Schimmelpilze)

Unverzichtbares

• Gitter- oder Kistenkäfig in Rechteckform

Mindestabmessungen: 100 cm Länge x 60 cm Tiefe x 50 cm Höhe

• Schlafhöhle

• Organisierter Auslauf (Wohnung, Balkon, Garten)

 

Lebenserwartung: 8-10 Jahre

Eignung: Kinder ab 12 Jahren

 

Ausführlichere Informationen über Zwergkaninchen

Haltung:

Die von den Wildkaninchen Europas abstammenden Tiere sind sehr gesellig und leben in Rudeln. Sie fühlen sich am wohlsten, wenn sie mit einem Partner zusammenleben dürfen. Geeignet ist nur ein weiteres Kaninchen, entweder eines gleichen Geschlechts (weibliche Tiere vertragen sich, wenn sie als Jungtiere zusammenkommen, meist gut miteinander, männliche nur, wenn sie kastriert sind). Wenn der männliche Partner kastriert ist, kann man verschieden geschlechtliche Pärchen am besten miteinander halten.

Wenn mehrere Tiere gleichzeitig gehalten werden, gibt es eine eindeutige Rangordnung, separat bei den weiblichen und männlichen Tieren. Die Kontaktaufnahme erfolgt durch Beschnuppern der anderen Kaninchen an Kopf und Hinterteil. Kaninchen sind "Streithammel" mit breitem aggressiven Verhaltensrepertoire. Das ist normales Verhalten! Das in-den-Rücken-Beißen kommt bei Zippen (weiblichen Kaninchen) häufiger vor als bei Rammlern (männliche Tiere). Zippen beißen in die Schenkelinnenflächen, Rammler in den Hodenbereich.

Zippen sind generell aggressiver als Böcke.

Rammler haben eine klare Rangordnung. Jeder beherrscht die Rangniederen und wird selbst von Ranghöheren kontrolliert. Die Rangkämpfe sind heftig, jedoch von kurzer Dauer.

Der Unterlegene flieht. In der Fortpflanzungszeit liefern sich Rammler Scheinkämpfe ohne ernste Verletzungen. Je mehr Männchen zusammenleben, desto häufiger finden diese Kämpfe statt. Zippen zeigen bei gleichaltrigen Rammlern Unterwürfigkeit.

Weibliche Tiere haben unklare Rangverhältnisse. Friedliche Beziehungen zu rangniederen Weibchen sind selten, meist haben sie keine "freundliche" Beziehung untereinander.

Je klarer die Rangverhältnisse sind, desto weniger aggressives Verhalten tritt auf.

Die Gruppengröße wird durch die Unfähigkeit von weiblichen Tieren mit mehr als drei oder vier anderen Weibchen zusammen zu leben begrenzt. Die Stellung eines Tieres in der Gruppe hängt vom Alter, der Entwicklung, der Größe der Hautdrüsen und der Menge, der von diesen produzierten Duftstoffe – Pheromone – ab.

Die Tiere mit den größten Analdrüsen nehmen einen hohen Rang ein. Dies ist unabhängig vom Körpergewicht, wobei die Analdrüsen der Männchen größer sind als die der Weibchen.

Kaninchen, die in das Gebiet einer fremden Gruppe eindringen, werden stets angegriffen. Das aggressionsauslösende Signal ist der fremde Gruppengeruch. Kämpfe mit Gruppenfremden sind immer Beschädigungskämpfe!

Meerschweinchen sind als Partner, auch wenn es vielfach anders behauptet wird, ungeeignet, da sie eine komplett andere Lautsprache haben und von den Kaninchen "untergebuttert" werden.

Die Einzelhaltung von Kaninchen ist nicht artgerecht!! Ein kastrierter Bock und eine oder mehrere Zippen ist ideal.

Unterbringung:

Kaninchen sind dämmerungsaktiv und daher für Kinder, wenn überhaupt, ab frühestens 12 Jahren geeignet Da sie tagsüber lieber schlafen, sollte der Käfig nicht in dem Kinderzimmer, in dem gespielt wird, stehen, damit eine artgerechte Haltung gewährleistet wird.

Der Käfig sollte eine Länge von 3 bis 4 Hoppelsprüngen und eine Breite 1 1/2 bis 2 Hoppelsprüngen haben. Ein Hoppelsprung bedeutet je nach Tiergröße 30 bis 50 cm. Das "Männchenmachen" muss möglich sein, also sollte der Käfig mindestens 50 cm hoch sein!

Paarweise gehaltene Tiere brauchen ein Drittel mehr Grundfläche. Jedes Tier benötigt einen eigenen Flucht- und Versteckplatz, also ein bissfestes Haus oder eine Röhre aus Ton. Die Einstreu (Heu oder Stroh) sollte mindestens alle 2 Tage erneuert werden, da Kaninchen viel (oft rötlich gefärbten) Urin produzieren. Die Tiere benötigen eine Luftfeuchtigkeit von 60%, deshalb sollten sie nicht in die Nähe der Heizung gestellt werden. Zugluft und Temperaturschwankungen vertragen sie nicht, deshalb hilft es sehr, besonders im Winter, sie in einen warmen Raum zu stellen, bevor das Fenster zum Lüften geöffnet wird.

Im Käfig sollten saugfähige Einstreu, (Sand, Papierschredder etc.), Röhren und Versteck- und Unterschlupfmöglichkeiten sowie Nage- bzw. "Spiel"möglichkeiten vorhanden sein. Die ganzjährige Freilandhaltung ist ideal, sollte aber aus- und einbruchssicher sein.

 

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